Interview erschienen in der Rhein-Neckar-Zeitung

Ausgabe vom 30.01.2016

Bewerbungstipps: So bekommt jeder seinen Traumjob

Wer eine Stelle sucht, soll von Verkäufern lernen -Tipps von Personalreferent Christopher Funk

Interview: Denis Schnur

Bei der Start-up-Messe der Universität Heidelberg stellten sich vergangene Woche wieder 15 junge Unternehmen über 500 Besuchern vor. Auch der Personalberater Christopher Funk war dabei - und gab Studenten Tipps zur Bewerbung. Seine Devise: "Verkaufen statt bewerben". Vom erfolgreichen Verkäufer könne jeder im Berufsleben lernen, meint Funk. Damit stehe jedem sein Traumjob offen - vom Handwerker bis zum Topmanager. Wir haben nachgefragt, wie genau das funktioniert. 

Herr Funk, mal angenommen, mein Traum wäre es, Manager bei BMW zu werden. Was wäre mein erster Schritt?

"Manager" ist ein weiter Begriff. Da müssten Sie erst genau beschreiben, was Sie machen wollen. Damit sind wir bei einem häufigen Problem von Studenten: Sie wissen oft nicht, was sie wirklich wollen und bewerben sich auf Stellenausschreibungen, von denen sie denken, das könnte passen. Die erste Stelle bestimmt dann die ganze Karriere. Daher würde ich raten: Werden Sie sich erst klar, wofür Sie brennen und was Sie können.
 

Angenommen, das weiß ich: Nun finde ich aber keine ausgeschriebene Stelle, die passt ...

Hier können wir vom Verkäufer lernen: Der klingelt ja auch nicht wild an jeder Tür, sondern überlegt, wer ein potenter Kunde für sein Produkt sein könnte. Ich muss mich fragen, welcher Arbeitgeber für mich das größte Potenzial und die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, dass es klappt. Verkäufer würden daraus eine Zielkundenliste machen, ich würde das ähnlich mit Firmen machen.

Wenn auf meiner Liste dann zehn Firmen stehen, haue ich zehn Bewerbungen raus?

Das kann man natürlich machen. Aber dann wissen Sie nicht, was mit Ihrer Bewerbung passiert, wo sie landet, wen die Personalabteilung aussiebt. Eine Bewerbung ist immer ein Roulettespiel: Bei BMW bewerben sich 120 000 Menschen pro Jahr. 2015 wurden 4000 eingestellt. Bei Google liegt die Chance bei 0,2 Prozent. 70 bis 90 Prozent aller Stellen werden gar nicht über Ausschreibungen besetzt, sondern intern oder über Netzwerke. Die Kunst ist es, als Teil dieses Netzwerkes wahrgenommen zu werden.
 

Wie bekomme ich das hin?

Über persönliche Kontakte. Wenn ich in die Marketingabteilung eines Unternehmens möchte, kann ich mich auf gut Glück bewerben oder ich schaue, wer der Entscheider ist - in diesem Fall wahrscheinlich der Marketingleiter. Wenn ich das weiß, finde ich auch seinen Namen raus und kann ihn anrufen.

Und dann sage ich: "Hallo, ich will bei Ihnen arbeiten"?

So einfach geht das natürlich nicht. Da braucht es einen guten "Elevator Pitch": Also einen Start, mit dem ich meinen Gesprächspartner überzeugen kann, dass es sich lohnt, sich mit mir zu unterhalten. Dafür muss ich mich mit der Firma befassen, vielleicht schon wissen, welchen Beitrag ich leisten kann. Hier kann der erweiterte Bekanntenkreis hilfreich sein. Ich kann rumfragen, ob jemand mal bei der Firma war und jemanden im Marketing kennt. Den rufe ich an und frage, wie ich an den Entscheider rankomme und welche Projekte gerade spannend sind.
 

Netzwerken ist also alles? Auch während des Studiums?

Auf jeden Fall. Man sollte immer die Augen offen haben, welche Kommilitonen wohin gehen, wer welche Praktika macht.

Netzwerken kann nicht jeder. Was macht der qualifizierte, aber schüchterne Informatiker, der zu Google will?

Wenn ich wirklich gut bin, kann ich mich ja auch bewerben. Der andere Weg wäre, sich schon im Studium bewusst darum zu kümmern, Kontakte zu bekommen - etwa durch ein Praktikum. Sobald ich jemanden kenne, kann ich mich auf der Fachebene austauschen, und auch als schüchterner Mensch punkten. Außerdem kann man das Verkaufen ja lernen - etwa mit Trainings oder Youtube-Videos. Auch bei einem Verkäufer ist das erste Gespräch ja nie das Beste.